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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:luen4-opus-110843
URL: http://opus.uni-lueneburg.de/opus/volltexte/2008/11084/


Zwischen Philosophie und Spiritismus. (Bildwissenschaftliche) Quellen zum Leben und Werk des Carl du Prel

Between Philosophy and Spiritualism. Sources of life and work of Carl du Prel

Kaiser, Tomas

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SWD-Schlagwörter: Du Prel, Carl , Philosophie , Spiritismus , Biographie , Hartmann, Eduard von
Freie Schlagwörter (Englisch): Du Prel, Carl , Philosophy , Spiritualism , Biography , Hartmann, Eduard von
Institut: Frühere Fachbereiche
DDC-Sachgruppe: Philosophie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Clausberg, Karl
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.05.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 09.01.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Der Münchener Philosoph und Spiritist Carl du Prel (1839–1899) gehörte mit seinen Büchern (Philosophie der Mystik, Der Spiritismus, Das Rätsel des Menschen u.a.) zu den wichtigsten Vertretern der spiritistischen/okkultistischen Szene Deutschlands dieser Epoche. Seine Verdienste lagen zwar auch in einer, wenn auch weniger konkreten und systematischen empirischen Erforschung spiritistischer Phänomene oder als paranormal geltender Erscheinungen, doch vielmehr darin, als philosophischer Theoretiker den Spiritismus konzeptionell und theoretisierend zu durchdringen, indem er versuchte das Feld ‚wissenschaftlich’ aufzuarbeiten und gedanklich zu ordnen. In den Augen heutiger Wissenschaftler liegt seine Bedeutung in erster Linie in seiner Einflussnahme auf Literaten- und Künstlerkreise, in denen er die Funktion des Ideengebers übernahm.
Gleichwohl fehlt bis heute eine umfassende Biografie, die sich mit den zahlreichen Facetten und verschiedenen Aspekten seiner Person und seines Lebens beschäftigt und gleichzeitig eine Neueinordnung seines Schaffens und Wirkens bewirkt. Diese Arbeit soll zum einen diese Lücke in der Kulturgeschichtsschreibung zu schließen helfen, und darüber hinaus ein Quellennachschlagewerk für all jene sein, die sich in Zukunft auf den verschiedenen Gebieten der Kunst, der Literatur und der Wissenschaft mit der Kulturgeschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts und dem Auftauchen der Strömung des Spiritismus beschäftigen wollen. Vergleichbar mit dem Blick auf die Spitze eines Eisbergs soll die vorliegende Arbeit einen ersten Einblick in bislang unbekanntes Datenmaterial einer subkulturellen Strömung einer ganzen Kulturepoche - der Gründerzeit und dem Historismus - geben.
Die Recherchearbeiten für diese Arbeit brachten eine Fülle neuen Materials zutage, darunter etwa 700 Briefe und nahezu die vollständige Anzahl aller jemals von Carl du Prel veröffentlichten und unveröffentlichten Zeitungsartikel und Essays. Unter den Briefen findet sich die Korrespondenz zwischen Carl du Prel und dem ‚Philosophen des Unbewussten’, Eduard von Hartmann (1842–1906), die eine jahrzehntelange wechselvolle Briefbeziehung belegt. Des Weiteren finden sich Korrespondenzen mit dem Kantexperten Hans Vaihinger (1852–1933) und Alexander Aksakow (1832– 1903), dem damals bedeutendsten Netzwerker des Spiritismus in Europa. So kann man aus dem Briefwechsel zwischen Hartmann und du Prel unter anderem lesen, dass Hartmann du Prel offenbar zunächst zu seinen astronomisch- evolutionstheoretischen Spekulationen angeregt hatte, was diesen schließlich zum Spiritismus brachte und worüber es später zu einem Bruch zwischen Hartmann und du Prel kam.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in der Konzentration auf eine dokumentarische Binnensicht des Philosophen und ‚Seelenforscher’ Carl du Prel und der Rekonstruktion seiner soziokulturellen Netzwerke, begründet durch die Fülle des Materials. Du Prel zum einen als Briefschreiber in einem Umfeld von Gelehrten und Kulturschaffenden zu lesen, die sich gegenseitig in ihren Ideen befruchteten und immer neue Impulse in ihrem Schaffen gaben, gibt uns die Möglichkeit, ihm genauer in seiner Entwicklung und im Werden seiner Ideen zu folgen. Gleichzeitig erhält man einen Eindruck davon, wie er versuchte, durch seine Briefkontakte auf außeruniversitärem Weg Einfluss auf die damalige Gelehrtenwelt und einige Geistesgrößen zu nehmen. Zum anderen lernen wir ihn in einer Vielzahl von größeren und kleineren, wichtigen und unbedeutenden Zeitschriften als Feuilletonist in eigener Sache kennen. Hier versucht er auf direktem Wege Einfluss zu nehmen auf bestimmte Gruppierungen der Bevölkerung. Mit der Betrachtung dieser beiden Säulen seiner Wissens- und Erkenntnisvermittlung wird deutlich, dass du Prel bis in kleine Ausdifferenzierungen hinein zum Prototypen eines Wissenschaftspopularisiers in Sinne Andreas W. Daums (Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert, München 2002) wurde, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als gebe es keine Verbindung zwischen ihm und den klassischen Popularisierern wie Ernst Haeckel. Das zweite Kernelement dieser Arbeit wird, neben der Darstellung der Biografie und des Netzwerks, in welches sie eingebunden ist, die genauere Darstellung von du Prels Popularisierungsmechanismen sein.
Mit dieser Arbeit wird zum ersten Mal ein Kompendium von neuen Materialien in Form von Quellen, Briefen und darüber hinaus eine umfangreiche Bibliografie erstellt und zugänglich gemacht.
Kurzfassung auf Englisch: The Bavarian philosopher and spiritualist Carl du Prel (1839–1899) ranked with his books (Philosophy of Mysticism, Der Spiritismus, Das Rätsel des Menschen a.o.) to the most important agents of the spiritualist/occult scene in Germany of his epoch. In the eyes of modern scientists lays his impact mainly in his influence on the circle of literature and art, in which he had the function of and donor of ideas. Nevertheless there is the lack down of a comprehensive biography down to the present day, that tasks with the multitudinous facets and variant aspects of his person und his live that effects at the same moment a new classification of his work and functioning. This work shall help to fill this blank space in the historiography and additional a reference work for those which occupy hereafter on different fields of art-, literaryhistory and History of Science by the end of the 19th century and the emergence of the spiritualism.
Comparable with the tip of the iceberg shall give the work at hand a glimpse in thus far unknown data and materials of a sub-cultural stream of an entire epoch – ‘Gründerzeit’ and historicism. By the inquiries for this work came an abundance of new material to light, including about 700 letters and nearly the full quantity of all published and unpublished articles and essays. Among the letters the correspondence between Carl du Prel and the ‘Philosopher of the Unconscious’, Eduard von Hartmann (1842–1906), that proves a varied relationship for decades. Furthermore exist correspondences with the Kant-expert Hans Vaihinger (1852– 1933) and Alexander Aksakow (1832–1903), in his lifetime one the most important spiritualistic networker in Europe. The letters between Hartmann and du Prel depicts that initially Hartmann had encouraged du Prel to astronomical-evolution theoretical speculations, which brought him in the issue to the spiritualism, whereat it came to a rupture between Hartmann and du Prel.
The gravitation centre of this work locates the focus on an interior view of the philosopher and ‘researcher of the soul’ and on a reconstruction of his socio-cultural networks, motivated by the multiplicity of new and until yet undiscovered materials. To read du Prel on one side as a writer in setting of savants and creative artists, who fertilised one another their ideas and had given their works always new impulses, gives us the possibility, to follow him in his development and the history of his ideas. At the same time we gain an impression, how he attempted to get influence on a nonuniversity way on the learned world and some greatnesses of mind then. On the other side we become acquainted with him in a multitude of major and smaller, weightily and inconsiderable periodicals and magazines as a feature writer on his own account. Herein he tried to effect directly some appointed groups of the population. Reflecting these two pillars of his mediation of cognizance and knowledge makes clear that du Prel became a prototype of a ‘popularizer’ of science in the sense of Andreas W. Daum (Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert, München 2002), although at first appearance it would seem, that it did not exist a connection between him and the classic ‘popularizer’ like Ernst Haeckel (1834– 1919). Besides of the exposition of his biography and his network a second element of this work is an description of du Prels popularization machineries. With this work will be first time compiled a compendium of new materials in form of sources, letters and furthermore an accessible extensive bibliography.


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Letzte Änderung: 30.05.12