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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:luen4-opus-141806
URL: http://opus.uni-lueneburg.de/opus/volltexte/2010/14180/


Management der Achtsamkeit – Ethische Kompetenz von Führungskräften in der Sozialwirtschaft

Management of Mindfulness – Ethical competence of executives in social economy

Tietze, Andreas

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SWD-Schlagwörter: Management , Achtsamkeit , Kompetenz , Ethik
Freie Schlagwörter (Deutsch): Management , Achtsamkeit , ethische Kompetenz , Sozialwirtschaft
Freie Schlagwörter (Englisch): Management , mindfulness, ethical competence , social economy
Institut: Sozialarbeit / Sozialpädagogik
Fakultät: Fak 1 - Bildung, Kultur, Soziales
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Colla, Herbert E. (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.01.2010
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 08.02.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Management in der Sozialwirtschaft hat eine besondere Bedeutung im Sinne eines Alleinstellungsmerkmales für soziale Organisationen und Unternehmen, dies soll analog selbstverständlich auch für ein Management der Achtsamkeit in sozialwirtschaftlichen Unternehmen gelten. Wenn Führungskräfte in der Sozialwirtschaft eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit und Selbstregulation besitzen, dann strahlt dies auch in die Organisation hinein und steigert insgesamt die „kollektive Achtsamkeit“ im Unternehmen. Insofern ist ein Management der Achtsamkeit eine Lern- und Entwicklungsaufgabe für Führungskräfte in der Sozialwirtschaft.
Ergebnisse und Perspektiven für ein Management der Achtsamkeit im Rahmen einer qualitativen Führungskräftebefragung von Spitzenmanager/Innen in der Sozialwirtschaft
Der sozialwirtschaftliche Bezugsrahmen ist immer auch einer „Ökonomie des Sorgens“ (CAREÖkonomie) verpflichtet, die einerseits selbstorganisiert und andererseits staatlich oder kommunal orientiert im Sinne einer Daseinsvorsorge zu organisieren ist. Es geht in sozialwirtschaftlich tätigen Unternehmen immer auch darum, dass Verwirklichungschancen von Menschen realisiert, gefördert und vermehrt werden, es geht um Partizipation, Gerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.
Führungskräfte in der Sozialwirtschaft benötigen zur komplexen Tätigkeit im Management eine Bandbreite von unterschiedlichen Kompetenzen, sie müssen Probleme im Unternehmen frühzeitig erkennen, dazu gehört, dass sie Problemlösungsprozesse initiieren und sachgerechte Lösungen erarbeiten und bewerten können, dass sie Akzeptanz bei den Beteiligten und Betroffenen begründen und Erfolge, Resultate und Wirkungen ihrer Maßnahmen kontrollieren und evaluieren.
Bei der Beschreibung von ethischen Kompetenzen sind die Herausforderungen an das Management besonders komplex. Ethik und Ökonomie befinden sich in einem strukturellen Spannungsverhältnis. Für die Entwicklung von ethischer Kompetenz muss den Führungskräften in der Sozialwirtschaft neben dem Handwerkszeug der Betriebswirtschaft und der Sozialen Arbeit auch eine ethische Orientierung vermittelt werden.
Zur ethischen Orientierung müssen sich Führungskräfte in der Sozialwirtschaft Fragen nach einem guten Leben und sozialer Gerechtigkeit stellen. Welche Werte sind zu schaffen (sinnvolles Wirtschaften), wie wollen wir in Zukunft leben (attraktive Lebensformen), ist unser Wirtschaften uns selbst zuträglich (gutes Leben, individuelle Lebensqualität), sind wir als Führungskräfte in der Sozialwirtschaft nicht zu einem Management der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet und wie sieht eine auf Sorge und Achtsamkeit ausgerichtete Ethik aus?
TIETZE definiert in seiner Dissertation: „Management der Achtsamkeit –ethische Kompetenz von Führungskräften in der Sozialwirtschaft“ Management der Achtsamkeit wie folgt: „Handeln in Führungspositionen ist immer ein bewusster Akt, der von Führungskräften in sozialen Kontexten eine besondere Selbstaufmerksamkeit und Selbstreflexion einfordert. Achtsamkeit unterbricht in vielen Alltagssituationen routinisierte Gedanken- und Gefühlsabläufe und führt bei Führungskräften in sozialen Organisationen, die in ihren Entscheidungsprozessen Glaubwürdigkeit, soziale Werte und ökonomische Zweckrationalitäten ausbalancieren müssen, zu mehr Feingefühl, Konzentration und Offenheit für Innovationen und nachhaltige Veränderungen. Insofern ist die Achtsamkeitsorientierung eine qualitativ hochwertige Managementstrategie in der Sozialwirtschaft – sie ist untrennbar verknüpft mit der spezifischen Ethik Sozialer Arbeit.“
So verstanden ist ein Management der Achtsamkeit ein Alleinstellungsmerkmal für soziale Organisationen und Unternehmen.
Soziale Gerechtigkeit, CARE-Ethiken, „gute Kaufmannschaft“, nachhaltige Unternehmenskonzepte und Achtsamkeit im Umgang mit den natürlichen Ressourcen, mit den anvertrauten Adressaten und mit sich selbst dürfen keine Gegensätze sein, sie müssen Ausdruck einer neuen ganzheitlichen Sichtweise für ökonomisches Handels in sozialen Unternehmen sein.
Die Aussagen einer qualitativen Studie mit Expert/Inneninterviews von Spitzenmanager/Innen der Sozialwirtschaft, die TIETZE im Rahmen seiner o.g. Dissertation durchgeführt hat, bestätigten: Führungskräfte in der Sozialwirtschaft sind „Schlüsselpersonen“ für Werte und ethische Grundüberzeugungen und sie haben eine besondere Vorbildfunktion für achtsames Führungsverhalten. Die öffentliche Reputation eines sozialwirtschaftlichen Unternehmens und sein gutes Image kann dagegen durch Unachtsamkeit in der ethischen Orientierung gefährdet werden.
Nach den aktuellen Erfahrungen der weltweiten Wirtschaft- und Finanzkrise ist in seiner Studie auch bei Führungskräften der Sozialwirtschaft eine neue ökonomische „Nachdenklichkeit“ festzustellen. Im Rahmen des Forschungsprozesses konnte ein allgemeiner Wandel in den Einstellungen der Führungskräfte in Richtung Nachhaltigkeit festgestellt werden. Diese positive Entwicklung kann dazu beitragen, dass zukünftig die Integration der unterschiedlichen Handlungskonzepte von Sozialer Arbeit und, Management in der Sozialwirtschaft in der Praxis sozialwirtschaftlicher Unternehmen besser gelingen kann.
Ein weiteres Ergebnis der Studie besagt, dass ein Management der Achtsamkeit zukünftig Werteprozesse analysieren und auf überprüfbare und wirksame Instrumente setzen muss, um ethische Reflexion und gelebtes Wertemanagement im Alltag in Entscheidungs- und Führungsprozessen zu steuern. Ethik wirkt dort, wo es gilt unterschiedliche Auffassungen oder Wertepluralitäten auszubalancieren. Die Anteilnahme von Führungskräften am Alltag der Belegschaft in sozialen Organisationen hat dabei eine hohe Bedeutung und ist eine besondere Form der Wertschätzung, gerade in der Mitarbeiterführung müssen sie nach Meinung der Expert/Innen weitaus emphatischer agieren als in anderen Dienstleistungsbranchen.
Achtsamkeit stellt einen Wert für sich dar und will in jeder Situation vollständig präsent zu sein. Achtsamkeit verfolgt das Ziel, die Mitarbeiter/Innen sowohl untereinander als auch in Bezug auf die Kunden beziehungsfähiger zu machen. Asymmetrische Beziehungen müssen frühzeitig erkannt, reflektiert und integriert werden.
Zu einer Kultur der Achtsamkeit, so die Studie, gehört ein gelebtes Unternehmensleitbild, das immer wieder in praktischen Leitbilddiskursen erarbeitet werden und erneuert werden muss. Führungskräfte haben für eine Kultur der Achtsamkeit eine Vorbildfunktion und sind sich ihrer Wirkung und Verantwortung für ein gelebtes Unternehmensleitbild bewusst. Zu ethischen Fragen und zu Fragen der Moral gehört eine hohe Reflexionsfähigkeit und Reflexionsbereitschaft, die sich im Alltagshandeln der Führungskräfte täglich beweisen muss, d.h. das Leitbilder auch im persönlichen Führungsverhalten der Führungskraft transparent werden müssen. Achtsamkeit ist dabei ein besonderer Ausdruck von Wertschätzung aller am Prozess Beteiligten.
In der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise kann und soll die Sozialwirtschaft eine Initialfunktion übernehmen, so das Fazit des Autors der Studie. Sie ist unbelastet im Hinblick auf die Verursachung der derzeitigen Krise – ist Opfer und nicht Täter. In der Zukunft geht es um eine Rückbesinnung auf Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Solidarität, gute Kaufmannsschaft, Achtsamkeit und soziale Gerechtigkeit. In der Zukunft geht es im Management der Sozialwirtschaft um eine neues nachhaltiges Ökonomieverständnis, es geht um die Stabilisierung von sozialen Werten, um soziale Verpflichtungen, Anreizsysteme für wertekonformes Verhalten, Förderung von eigenverantwortlichem Handeln, wertebezogene Karrieremuster und entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen.
Achtsamkeit, bzw. achtsamer Umgang mit Menschen, der Umwelt und sich selbst ist ein zentrales und innovatives Thema für die Sozialwirtschaft. Der Grad der Achtsamkeit ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit einer humanen und gerechten Gesellschaft. Ein Management der Achtsamkeit stellt daher zukünftig eine zentrale Lern- und Entwicklungsaufgabe für Führungskräfte in der Sozialwirtschaft dar.
Kurzfassung auf Englisch: Management in social economy has a special meaning in terms of unique selling points for a social organization or enterprise. This should apply of course analog to Management of Mindfulness in social economic businesses. When social economy executives have an elevated self consciousness and self regulation, it is reflected in the organization and boosts the “collective mindfulness” within the company altogether. In this respect, the Management of Mindfulness is a learning assignment and developmental task for executives in social economy.
Results and prospects for a Management of Mindfulness in the context of a qualitative survey of top managers in social economy
The social economy frame of reference is always obligated to an “Economy of Care”, which is on one hand self organized. On the other hand it is orientated governmentally or communally, and it is organized in terms of a provision for existence. Among other things, social economic businesses put an emphasis on realizing, supporting and increasing its employees’ chances of self-fulfillment. It is about justice and social participation. Social economy executives require extensive expertise in the complex management of operations. They have to be able to identify arising problems in the organization at an early stage and initiate the process of solving them by developing, and reviewing appropriate solutions. Further more, they have to ensure acceptance among the involved persons and they should be able to evaluate and control the achievements, results and effect of their arrangements.
When describing ethical competence, the expectations towards the management are complex. Ethics and economy are in a structural stress ratio. To develop ethical competence the social economy executive has to be imparted with an ethical orientation, along with the basic principles of business administration and social work.
For a better ethical orientation, social economy executives have to ask themselves questions about a “good life” and social justice, What values are to be added (reasonable economic activity)? How do we want to live in the future (attractive life style)? Is our economic activity supporting our well-being (“good life”, individual quality of life)? Are we not, as executives in social economy, compelled to a management of social justice? What does care and mindfulness oriented ethics look like?
In his dissertation: “Management of Mindfulness – Ethical competence of executives in social economy” TIETZE defines Management of Mindfulness as follows: “Acting in executive positions is always a conscious act, and in social contexts it requires a particular self-consciousness and self-reflection of the executive. Mindfulness interrupts routinized thought and emotion processes in many everyday situations. For social organization executives, who are balancing their credibility in decision making processes, their social values and their economic instrumental reason, it leads to more sensitiveness, concentration and openness for innovation and lasting changes. In that respect, the orientation on mindfulness is a high-quality management strategy in social economy – it is inextricably connected to the specific ethics of Social Work.”
This being said, Management of Mindfulness is a unique selling point for social organizations and enterprises.
Social justice, CARE – Ethics, “good mercantile community”, lasting corporate concepts and mindfulness when dealing with natural resources, with the entrusted clients and with oneself must not be contradictory. They have to be expressions of a new, integrated perception for economic actions in social businesses.
The conclusion of a qualitative survey with interviews of top managers from the social economy, which TIETZE conducted in the context of his dissertation, confirms: Executives in social economy are “key personalities” for values and ethical basic beliefs and they have a particular function as a role model for attentive leadership. The public reputation of a social organization and its good image can be endangered by inattentiveness towards its ethical orientation.
With the world wide economic and financial crises prevailing, TIETZE recognizes a new economic “reflectiveness” in the mindset of executives in social economy. In the context of the scientific process, a general change towards sustainability was detected in the attitude of the executives. This positive development can contribute to a better integration of different concepts of action of social work and social economy management within social organizations.
Furthermore, the study shows that a management of mindfulness has to analyze its valuation tasks and needs to focus on checkable and effective instruments in the future. This is inevitable to successfully control ethical reflection and lived value management in the everyday life in decision making and leading processes. Ethics is effective when balancing different perceptions or different values. The participation of executives in the everyday life of their staff in social organizations is of great importance and a special form of appreciation. In the experts’ opinion, the management has to react more emphatically than in any other service sector when it comes to leadership. Mindfulness is a value for itself and wants to be fully present in every situation.
Mindfulness has the goal of supporting the staff in their ability to form and maintain a good relationship towards each other as well as towards the clients. Asymmetrical relationships have to be identified, reflected and reintegrated at an early stage.
According to the survey, a lived corporate mission is essential for a culture of mindfulness, and it should be developed and renewed in practical debates. Executives are a role model for the culture of mindfulness and ought to be aware of their influence and responsibility for a lived corporate mission. A strong ability and willingness to reflect is significant when facing ethical and morally questions, and it is assessed in the daily action of an executive, i.e. the missions have to be transparent in the leadership behavior. Mindfulness is thereby a special expression of appreciation of all participants in the process.
According to the result of the author’s survey, the social economy could and should start an initiative in the ongoing financial and economic crisis. It has not caused the momentary crisis but it is a victim. The future is about returning to values like trust, honesty, solidarity, good mercantile community, mindfulness and social justice. Furthermore the future in social economy management lies in a sustainable economic understanding. It is about stabilizing social values, about social commitment, incentive systems for value compliant behavior, encouragement of self dependent actions, value orientated career pattern and corresponding professional development programs.
A central and innovative matter in the social economy is mindfulness respectively mindful dealing with people, the environment and oneself. The degree of mindfulness is crucial for a sustainable, human and fair society. Hence, the Management of Mindfulness provides a central learning assignment and developmental task for social economic executives.


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Letzte Änderung: 30.05.12