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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:luen4-opus-141831
URL: http://opus.uni-lueneburg.de/opus/volltexte/2010/14183/


Qualitätsentwicklung als teilnehmender und intervenierender Forschungsprozess in der Behindertenhilfe

Quality development as an attending part and intervening research process in the help for handicapped people

Kreuzer, Rainer

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SWD-Schlagwörter: Geistige Behinderung , Ambulante Behandlung , Evaluation , Diagnostik
Freie Schlagwörter (Deutsch): rehistorisierende Diagnostik
Freie Schlagwörter (Englisch): Mental retardation , ambulatory evaluation , rehistorical diagnostics
Institut: Sozialarbeit / Sozialpädagogik
Fakultät: Fak 1 - Bildung, Kultur, Soziales
DDC-Sachgruppe: Soziale Probleme, Sozialdienste, Versicherungen
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Bader, Kurt (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.04.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 10.05.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Eine emanzipatorisch orientierte Qualitätsentwicklung in Wohneinrichtungen  für geistig behinderte Menschen kann sich nicht damit begnügen, Prozessabläufe auf rein formaler Ebene nach standardisierten Mustern zu „optimieren“. Qualität muss vielmehr als inhaltliche Güte der Betreuungsleistungen und als Güte der Lebensbedingungen der betroffenen Menschen verstanden und aktiv verbessert werden. Für die Wissenschaft bedeutet dies, den kontemplativen Außenstandpunkt zu verlassen und sich im sozialen Feld der geistigen Behinderung verändernd einzumischen. Eine solche Wissenschaft steht in der Tradition der Kritischen Theorie nach Max Horkheimer und sieht sich dem übergeordneten Auftrag zur Emanzipation aller Menschen, die an der vollen Entfaltung ihrer Persönlichkeit gehindert werden, verpflichtet.
 
In der Empirie fällt dabei der Kategorie der „Zufriedenheit“ eine zentrale Bedeutung zu. Zufriedenheit kann nicht in künstlichen Interviewsituationen „gemessen“, sondern muss in gemeinsamen Handlungsvollzügen mit den betroffenen Menschen sinnlich, konkret erfahrbar werden. Unzufriedenheit wird dabei umso wertvoller, sofern sie reale Widersprüche sichtbar werden lässt und Veränderungen begünstigt. Der Forscher muss im Prozess einer Evaluation den Heimbewohnern Vergleichsmöglichkeiten anbieten und mitunter sogar provozierend auf das soziale Feld einwirken, damit eingeschliffene stationäre Strukturen neu hinterfragt werden. Konflikte sind dabei fast unvermeidbar.
 
Schließlich kommt eine derart verstandene Qualitätsentwicklung nicht umhin, die grundlegenden Begriffe der Wohnformen „ambulant“ und „stationär“ auf rechtlicher, soziologischer und historischer Grundlage neu zu definieren. Ein entscheidendes Kriterium für eine ambulante Wohnform ist die deutliche Trennung zwischen privatem Wohnraum der Klienten und dem „Hoheitsgebiet“ des Trägers. Die Grenzen beider Sphären dürfen sich nicht verwischen. In der untersuchten Einrichtung ist genau diese Trennung nicht gelungen. Auch ist deutlich geworden, dass eine Ambulantisierung auf erhebliche Widerstände seitens der pädagogischen Mitarbeiter stößt. Sie halten an den alten stationären Strukturen fest, weil sie ihnen Orientierung und Entlastung bieten. Umso wichtiger wird somit das Empowerment der Bewohner. Sie müssen dabei unterstützt werden, sich gegen institutionell vorgegebene, Grenzen, die Entwicklungsmöglichkeiten behindern, aufzulehnen.  
 
Die Auswertung dieses Forschungsprozesses erfolgt qualitativ, überwiegend durch Feinanalyse einzelner Handlungssequenzen, in denen die Grundstrukturen des untersuchten Feldes deutlich werden. Auch die Konflikte zwischen den Mitarbeitern, der Leitung und der Forschungsgruppe werden abschließend reflektiert.
Kurzfassung auf Englisch: Developing the quality of care in homes for mentally-handicapped people with their emancipation as the aim cannot limit itself to improve the simple efficiency of working processes according to a formal and standardized pattern. On the contrary, quality must be viewed as the innate quality of both the caretaking process and of the soundness of the clients' living conditions. Pursuing further improvements is essential. Social science therefore must leave its position as a contemplating outside observer in order to acitively involve itself in changing the social environment of the mentally-handicapped for the better. This social science follows the tradition of the Critical Theory as it was conceived by Max Horkheimer. It commits itself to the overarching goal of liberating all those who are prevented from full self-realization.
 
The category of 'satisfaction' takes up a central position in the empirical field. Satisfaction cannot be measured in the contrived situation of the interview. It must be experienced in the course of practices shared with the people concerned. Dissatisfaction becomes even more valuable insofar as it reveals existing contradictions. In doing so, dissatisfaction facilitates change. In the process of evaluation, the researcher must present alternative views to those living in a care facility so that they can compare their situation with conditions elsewhere. Sometimes, it might even prove necessary to challenge well-established practices and working habits. This will make conflicts almost inevtitable.
 
If a concept of quality is developed in this vein, it is necessary to revise the concepts of 'outpatient department' and 'inpatient department' in legal, sociological and historical terms. A decisive feature of an outpatient home is the clear demarcation line between the private living space of the client and the shere of influence of the institution. This demarcation line must not be blurred. In the facility that was subject of this study, however, this separation has not been maintained. It also became clear that establishing an outpatient home generates a considerable degree of resistance by the pedagogical staff. The staff clings to the old 'inpatient department' structures because these are found reassuring and convenient. Therefore, empowering the clients is even more vital. The clients must be supported to challenge institutional structures restricting their human potential.
 
The assessment of this resarch process is performed in a qualitative manner, largely by minutely analyzing selected episodes in which the basic structures of the field under investigation become clear. Conflicts between staff, the management and the reasearch team will receive a concluding statement as well.


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Letzte Änderung: 30.05.12