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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:luen4-opus-145402
URL: http://opus.uni-lueneburg.de/opus/volltexte/2019/14540/


Internetbasierte Interventionen zur Reduktion von riskantem Alkoholkonsum und zur Bewältigung von Depressionen

Internet-based interventiontions to reduce risky alkohol consumption and overcome depression

Boß, Leif

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SWD-Schlagwörter: Online-Dienst , Alkoholkonsum , Depression , Randomisierter Test
Freie Schlagwörter (Deutsch): Internet , Online-Gesundheitstraining , Alkoholmißbrauch , randomisiert-kontrollierte Studie
Freie Schlagwörter (Englisch): Internet , e-mental health , alcohol , depression , randomized controlled trial
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Berking, Matthias (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.03.2019
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum: 23.04.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Gesundheitlich riskanter Alkoholkonsum und Depressionen führen in Deutschland und weltweit zu großen Lebenseinschränkungen und hohen ökonomischen Kosten. Obwohl es bewährte Präventionsmaßnahmen für alkoholbezogene Erkrankungen und evidenzgesicherte Behandlungsverfahren zur Bewältigung von Depressionen gibt, nimmt nur ein Bruchteil der Betroffenen Hilfe in Anspruch. Mit internetbasierten Gesundheitsinterventionen wird ein in Deutschland neuer Ansatz zur Prävention alkoholbezogener Erkrankungen vorgestellt und in einer drei-armigen randomisiert-kontrollierten Studie mit 428 Erwachsenen mit riskantem Alkoholkonsum erprobt (Studie I). Auf Grundlage der vorhandenen Evidenz für die Wirksamkeit internetbasierter Interventionen gegen depressive Beschwerden wird zudem ein Online-Training zur Bewältigung von Depressionen entwickelt und anhand von 131 Personen evaluiert (Studie II). Aufgrund des relativ neuen Interventionsansatzes beschränkten sich bisherige Evaluationsstudien weitgehend auf die klinische Wirksamkeit als Ergebnismaß. Mit zunehmender Evidenz spielen weitere Evaluationskriterien, wie die Nutzerzufriedenheit, eine wichtige Rolle für die Etablierung dieses Ansatzes. In der Vergangenheit mangelte es jedoch an validierten Messinstrumenten. Zu diesem Zweck wurde in einer dritten Studie (Studie III) die psychometrische Qualität eines Fragebogens zur Messung der Zufriedenheit mit internetbasierten Gesundheitstrainings anhand von zwei unabhängigen Stichproben im Umfang von 174 (Stichprobe 1) und 111 Personen (Stichprobe 2) untersucht.
In Studie I konnte gezeigt werden, dass das entwickelte Online-Training Clever weniger trinken nach sechs Wochen zu einem Rückgang des wöchentlichen Alkoholkonsums um durchschnittlich acht Standardgläser a 12 Gramm Reinalkohol und damit zu einer signifikant stärkeren Reduktion führte (p < 0,001) als die Wartebedingung, durch die lediglich eine Reduktion von durchschnittlich 3 Standardgläsern erreicht wurde. Selbst nach sechs Monaten konnte noch ein signifikanter Trainingseffekt nachgewiesen werden. Dabei zeigten sich keine Unterschiede zwischen Personen, die an einer Selbsthilfevariante des Trainings teilgenommen haben und denen, die zusätzlich von einem Online-Coach begleitet wurden. Darüber hinaus führte das Training zu Verbesserungen des allgemeinen und des arbeitsbezogenen Wohlbefindens.
In Studie II konnte gezeigt werden, dass sowohl das entwickelte Online-Training GET.ON Mood Enhancer als auch eine kurze Online-Psychoedukation zur Reduktion depressiver Beschwerden bei Personen mit Depression führte. Das Online-Training zeigte sich mit einem Effekt nach Cohen´s d in Höhe von 0,36 (p = 0,028) der Psychoedukation zumindest kurzfristig signifikant überlegen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Personen ohne Psychotherapieerfahrung vom Online-Training, nicht aber von reiner Psychoedukation profitieren. Das Online-Training erwies sich zudem im Vergleich zur Psychoedukation als nebenwirkungsarm.
Die psychometrische Analyse des Fragebogens zur Zufriedenheit mit internetbasierten Gesundheitstrainings in Studie III bestätigte die Einfachstruktur des Fragebogens, die sich über zwei unabhängige Stichproben hinweg als messinvariant erwies. Die hohe Reliabilität des Fragebogens zeigte sich in McDonald´s Omegas von 0,95 in Stichprobe 1 und 0,93 in Stichprobe 2. Die erwarteten mittleren Korrelationen zwischen der Zufriedenheit mit dem Training und den primären Zielkriterien der jeweiligen Trainings (die Reduktion der Depressivität in Stichprobe 1 und die Stressreduktion in Stichprobe 2) weisen auf die gute Validität des Fragebogens hin.
Mit dieser Arbeit konnte erstmals gezeigt werden, dass eine internetbasierte Intervention zur Reduktion des Alkoholkonsums, sowohl als Selbsthilfevariante als auch mit Begleitung durch einen Online-Coach, wirksam ist. Weiter belegt die Arbeit die kurzfristige Überlegenheit einer internetbasierten Intervention zur Bewältigung von Depressionen gegenüber Psychoedukation, die zudem nebenwirkungsarm ist. Mit dem Fragebogen zur Zufriedenheit mit internetbasierten Gesundheitstrainings liegt nun ein validiertes, ökonomisches Instrument zur Ergänzung klinischer Evaluationskriterien um die Nutzerperspektive vor.
Kurzfassung auf Englisch: Risky alcohol consumption and depression lead to major life restrictions and high economic costs in Germany and worldwide. Although there are proven prevention measures for alcohol-related diseases and evidence-based treatments for coping with depression, only a fraction of those affected receive help. Internet-based health interventions are introduced as a new approach for the prevention of alcohol-related diseases in Germany and tested in a three-arm randomized-controlled trial with 428 adults who show risky alcohol consumption (study I). Based on existing evidence for the efficacy of Internet-based interventions against depressive disorders, an Internet-based intervention for coping with depression will also be developed and evaluated in a sample of 131 people (study II). Due to the relatively new intervention approach, previous evaluation studies were largely limited to clinical efficacy as a measure of results. With increasing evidence, further evaluation criteria, such as user satisfaction, become more important in establishing this approach. In the past, however, there has been a lack of validated measuring instruments. To this end, a third study (study III) examines the psychometric quality of a questionnaire to measure satisfaction with Internet-based health interventions using two independent samples of 174 (sample 1) and 111 persons (sample 2).
In Study I, it was shown that the Internet-based training ´GET.ON Clever weniger trinken´ (be smart - drink less) led to a reduction in weekly alcohol consumption of an average of eight standard glasses of 12 grams of pure alcohol each after six weeks. The training was superior to a waiting control (P < 0.001), which only led to a reduction of an average of three standard glasses. Even after six months, a significant training effect could still be proven. There were no differences between people who participated in a self-help version of the training and those who were additionally accompanied by an e-coach. In addition, the training led to significant improvements in general and work-related well-being.
Study II showed that both the Internet-based training ´GET.ON Mood Enhancer´ and a short online psychoeducation can reduce depressive symptoms in people with depression. With an effect of 0.36 according to Cohen´s d, the online training was significantly superior to psychoeducation at least in the short term (p = 0.028). The results indicated that people without psychotherapy experience benefit from the Internet-based training but not from pure psychoeducation. In comparison to psychoeducation, the Internet-based training has also proven to have few side effects.
The psychometric analysis of the questionnaire on satisfaction with Internet-based health interventions in study III confirmed the simple structure of the questionnaire, which showed measurement invariance across two independent samples. The high reliability of the questionnaire was demonstrated in McDonald´s Omegas of 0.95 in sample 1 and 0.93 in sample 2. The expected mean correlations between satisfaction with the training and the primary outcome of the respective training (the reduction of depression in sample 1 and the stress reduction in sample 2) indicated the good validity of the questionnaire.
With this work it has been shown for the first time that an Internet-based intervention to reduce alcohol consumption, both as self-help and accompanied by an online coach, is effective. Furthermore, this work demonstrates the short-term superiority of an Internet-based intervention for coping with depression over psychoeducation, which is also low in side effects. With the questionnaire on satisfaction with Internet-based health trainings, a validated, economic instrument to supplement clinical evaluation criteria with the user perspective is now available.


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Letzte Änderung: 10.11.16