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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:luen4-opus-145926
URL: http://opus.uni-lueneburg.de/opus/volltexte/2019/14592/


Language Mediation of Odor Processing : Impact of Verbal Codes on Olfaction

Sprache und Geruch : Einfluss verbaler Informationen auf die Wahrnehmung olfaktorischer Reize

Käppler, Kathrin

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Institut: Psychologie/Wirtschaftspsychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Müller, Friedrich (Prof. Dr.)
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.12.2019
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum: 19.12.2019
Kurzfassung auf Englisch: Decoding the psychological dimensions of human odor perception has long been a central
issue of olfactory research. As odor percepts could not be linked to a few measurable
physicochemical features of odorous compounds or physiological characteristics of the
olfactory system, odor qualities have often been assessed by perception–based ratings.
Although these approaches have been promising, none of the proposed system has sustained
empirical validation. In a review of 28 studies, we assessed how basic characteristics of study
design have been biasing perception–based classification systems: (1) interindividual
differences in perceptual and verbal abilities of subjects, (2) stimuli characteristics, (3)
approaches of data collection, and (4) methods of data analysis. Remarkably, many of the
difficulties in establishing these systems have been rooted in one underlying issue: the
puzzling relationship between language and olfaction in general. While the reference from
odors to language is weak, the reverse impact of verbal processing on olfaction seems
powerful. Odor perception is biased by verbal–semantic processes when cues of an odor’s
source are readily available from the context. At the same time, olfaction has been
characterized as basically sensation driven when this information is absent. We examined
whether language effects occur when verbal cues are absent and how expectations about an
odor’s identity shape odor evaluations. Subjects were asked to rate 20 unlabeled odor samples
on perceptual dimensions as well as quality attributes and to eventually provide an odor
source name. In a subsequent session, they performed the same rating tasks on a set of written
odor labels that was compiled individually for each participant. It included both the 20 correct
odor names (true labels) and – in any case of incorrect odor naming in the first session – the
self–generated labels (identified labels). We compared odor ratings to ratings of both types of
labels and found higher consistencies between the evaluation of an odor and its identified
label than between the description of an odor and its true (yet not associated) label. These
results indicate that basic perceptual as well as quality ratings are affected by semantic
information about an odor’s source – even in absence of source cues. That is, odor sensation
may activate a semantic mental representation of an odorous object that affects odor
processing and may in turn relate to further multimodal properties. That means, associations
between odors and stimuli from other sensory modalities should not only be stable, but these
mappings should be mediated by an odor’s identity. We asked subjects to visualize their odor
associations on a drawing tablet, freely deciding on color and shape. Additionally, they
provided a verbal label for each sample. Color mappings were odor-specific, they reflected
the imagery of a natural source and seemed to change with assumed odor identity. Shape
mappings changed with odor identifications as well, as drawings frequently displayed
concrete objects that reflected visual features of an odor’s source.
The influence of verbal identity codes on quality ratings or crossmodal mappings is rooted in
the very same problem that perception–based classification systems have tried to solve – a
terminology that relates to abstract mental categories. The less specific we communicate, the
more we need to resort to source–related analogies – in scientific endeavors and everyday life
alike.
Kurzfassung auf Deutsch: Eine zentrale Herausforderung der Geruchsforschung war und ist die Entschlüsselung der
psychologischen Dimensionen olfaktorischer Wahrnehmung. Da es bisher nicht gelungen ist, einen
eindeutigen Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen Qualität eines Geruchs und den
physikalisch-chemischen Merkmalen eines Moleküls oder den physiologischen Merkmalen des
Sinnessystems herzustellen, haben sich Geruchsforscher oft auf psychologische, also
wahrnehmungsbasierte Beschreibungen von Geruchsqualitäten berufen. Aber auch diese Ansätze
haben bisher keine empirisch belastbare Ordnung von Reizen oder Wahrnehmungen liefern können. In
einem Review on 28 Studien haben wir betrachtet, welche grundlegenden Merkmale des
Studiendesigns so entstandene Klassifikationssysteme beeinflusst haben: (1) interindividuelle
Unterschiede in der Wahrnehmung und sprachlichen Erfassung von Gerüchen durch Probanden, (2)
Merkmale der Reize und ihre Wechselwirkungen, (3) Ansätze zur Datensammlung, (4) Methoden der
Datenanalyse. Interessanterweise zeigten diese Einflussvariablen in erster Linie eine Manifestation
eines gemeinsamen Aspekts: dem Zusammenspiel zwischen Geruchswahrnehmung und Sprache.
Während der Übergang von Gerüchen zu Sprache schwach und unzuverlässig ist, übt Sprache
umgekehrt einen starken Einfluss auf die Wahrnehmung von olfaktorischen Reizen aus.
Die Verarbeitung von Gerüchen erfolgt in der Anwesenheit verbaler Hinweisreize auf die
Geruchsquelle sprachbasiert, in Abwesenheit solcher Hinweise vermeintlich aber rein sensorisch. Wir
haben untersucht, ob Einflüsse von Sprache auch dann zu beobachten sind, wenn verbale
Informationen fehlen und ob Annahmen über die Quelle eines Geruchs die Verarbeitung und
Beschreibung beeinflussen. Dafür haben wir Probanden gebeten, 20 unbeschriftete Geruchsproben auf
Wahrnehmungsdimensionen und Qualitätsattributen zu bewerten und die Gerüche schließlich zu
identifizieren. In einem weiteren Versuchsdurchgang wurden diesen Probanden schriftliche
Geruchsnamen zur Bewertung auf denselben Dimensionen bzw. Attributen präsentiert. Das Set von
Begriffen war für jede Versuchsperson individuell zusammengestellt; es umfasste neben den 20
objektiv richtigen Geruchsnamen (true Label) aus dem ersten Durchgang zusätzlich die falschen
Geruchsnamen (identified Label) für die Gerüche, die der Proband im ersten Durchgang falsch
identifiziert hatte. Wir verglichen die Bewertungen von Gerüchen mit beiden Arten von Labels und
fanden deutlich höhere Übereinstimmungen zwischen einem Geruch und dem identifizierten (aber
objektiv falschen) Label. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl allgemeine als auch
qualitative Urteile über Gerüche durch semantisches Wissen über die Geruchsquelle beeinflusst wird –
und das auch ohne die Verfügbarkeit verbaler Hinweisreize. Gerüche scheinen ein semantisches
mentales Konzept zu aktivieren, das die Wahrnehmung beeinflusst und zusätzlich auf weitere
multimodale Informationen verweisen kann. Das bedeutet auch: Assoziationen zwischen Gerüche und
den Reizen anderer sensorischer Modalitäten sind nicht nur stabil, sie sollten auch die Identität einer
Geruchsquelle widerspiegeln. Wir haben daher Probanden gebeten, ihre Assoziationen zu
unterschiedlichen Gerüchen mit Hilfe eines Grafik-Tablets zu visualisieren – und so Farbe und Form
ihrer Visualisierung frei zu bestimmen. Im Anschluss baten wir um die Identifikation der
dargebotenen Gerüche. Farb-Assoziationen waren geruchsspezifisch, sie repräsentierten die optische
Erscheinung der angenommenen Geruchsquelle. Mit anderen Worten: In Abhängigkeit von der
Identifikation variierte auch die Assoziation. Auch Form-Assoziationen veränderten sich mit der
Geruchsquelle – vor allem zeigten die Zeichnungen oft sehr konkrete Objekte statt abstrakter Muster.
Zusammengefasst: Verbal-semantische Informationen beeinflussen die Wahrnehmung olfaktorischer
Reize. Sowohl für die Bewertung von Gerüchen als auch für crossmodale Assoziationen überschreibt
die vermutete Identität einer Geruchsquelle die tatsächlichen sensorischen Informationen.


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Letzte Änderung: 10.11.16