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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:luen4-opus-145931
URL: http://opus.uni-lueneburg.de/opus/volltexte/2019/14593/


Formative accompanying research with collaborative interdisciplinary teams

Wissenschaftliche Begleitforschung mit kollaborativen interdisziplinären Teams

Freeth, Rebecca

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Institut: Nachhaltigkeitsmgmt./-ökologie
DDC-Sachgruppe: Natürliche Ressourcen, Energie und Umwelt
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Vilsmaier, Ulli (Prof. Dr.)
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.09.2019
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum: 19.12.2019
Kurzfassung auf Englisch: The image of the solitary scientist is receding. Increasingly, researchers are expected
to work in collaborative interdisciplinary teams to tackle more complex and
interrelated problems. However, the prospect of collaborating with others, from
different disciplines, exerts countervailing forces on researchers. There is the lure of
transcending the limitations of one’s own knowledge, methods and conventions,
belonging to diverse intellectual communities and tackling, together, ambitious
research topics. On the other hand, there is the risk that collaborating across
disciplinary boundaries will be taxing, confounding at times, with no guarantee of
success. In short, interdisciplinary collaboration is both a desirable and difficult way
to conduct research.
This thesis is about collaborative interdisciplinary research from the perspective of a
formative accompanying researcher. I accompanied an interdisciplinary research
team in the field of sustainability over three years for the duration of a collaborative
project. Formative accompanying research (FAR) is an approach to ‘research into
research’ that learns about, with and for a collaborative interdisciplinary team.
I found – through immersion in the literature, my own daily experiences of
collaborating, and my observations – that interdisciplinary collaboration is very
difficult. It requires a basic understanding and appreciation of other disciplines and
methods, as well as the skills to integrate research inquiries and findings across
diverse epistemologies. It also requires awareness that collaborative interdisciplinary
research is more than an intellectual task of knowledge creation. Other factors
matter, such as interpersonal relationships, power differentials, different research
tempos and a sense of belonging. And these factors have an impact on processes
and outcomes of collaborative knowledge creation. Knowing this implies a
willingness to keep learning and to tolerate discomfort so as to cultivate deeper
levels of collaborative capacity. I discovered that in these deeper levels lie skills for
staying with inevitable tensions, for talking and listening to generate new
understanding together, and for applying a researcher’s frank curiosity to oneself
too.
A formative accompanying researcher, who is part of the team she is researching,
has to navigate delicate terrain. In this thesis, I develop a FAR methodology that
takes seriously the questions of positionality and relationality, and reflect on the
experiences of putting these into practice. A FAR practice involves remaining in
dynamic movement between observing and participating, between exercising
curiosity and care, and between the researchers’ own sense of impartiality and
investment in relation to the issues at hand.
There is merit in furthering the methodology and practice of FAR on its own terms.
This includes attending to the skills required by a formative accompanying
researcher to remain oriented within the concentric circles of research, relationship
and loyalty that make up a collaborative team. There is also the question of how
FAR, and other forms of research into research, can help to advance collaborative
interdisciplinary research. I argue for creating the conditions in research teams that
would enable treating collaboration as a capacity to develop, and that would
facilitate team members’ receptivity to learning with FAR. Furthermore, I explore
dilemmas of intervening as a formative accompanying researcher and of sustaining
dynamic positionality over the long-term.
In the field of sustainability research, and in multiple other research fields, the future
is a collaborative one. This thesis is concerned with how to collaborate so that the
experience and the outcomes lend themselves to what Rabinow terms a “flourishing
existence”.
Kurzfassung auf Deutsch: Das Bild des solitär forschenden Wissenschaftlers nimmt an Bedeutung ab.
Wissenschaftler arbeiten vermehrt in kollaborativen interdisziplinären Teams, um so
komplexen und vernetzten Problemfeldern besser gerecht zu werden. Die enge
Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus anderen
Disziplinen übt entgegengesetzte Kräfte auf die Forschenden aus. Einerseits eröffnet
die interdisziplinäre Zusammenarbeit Möglichkeiten, die Grenzen des eigenen
Wissens, der vertrauten Methoden und Konventionen hinter sich zu lassen, zu
unterschiedlichen intellektuellen Communities zu gehören und gemeinsam
anspruchsvolle Forschungsthemen anzugehen. Andererseits kann die intensive
Zusammenarbeit über Disziplingrenzen hinaus anstrengend und verwirrend sein, und
sie bietet keine sicheren Erfolgsaussichten. Kurz, interdisziplinäre Zusammenarbeit
ist sowohl ein wünschenswerter wie auch schwieriger Weg, Wissenschaft zu
betreiben.
Diese Dissertation befasst sich mit kollaborativer interdisziplinärer Forschung aus
Sicht einer Wissenschaftlerin, die mit formative accompanying research eine
spezielle Form der wissenschaftlichen Begleitforschung betreibt. Ich habe ein
interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich
der Nachhaltigkeitsforschung über einen Zeitraum von drei Jahren begleitet, was der
gesamten Projektlaufzeit entspricht. Formative accompanying research (FAR) ist ein
Ansatz des Forschens über das Forschen, welcher über, mit und für ein
kollaboratives interdisziplinäres Team lernt.
Durch Eintauchen in die Literatur, meine täglichen Erfahrungen der
Zusammenarbeit, und meine Beobachtungen habe ich herausgefunden, dass
interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr schwierig ist. Interdisziplinäre
Zusammenarbeit benötigt ein Grundverständnis und eine Wertschätzung anderer
Disziplinen und Methoden sowie die Fähigkeit, Fragestellungen, Ansätze und
Ergebnisse über epistemologische Unterschiede hinweg zu integrieren. Sie benötigt
auch ein Bewusstsein dafür, dass interdisziplinäres Forschen mehr ist als
intellektuelle Wissensgenerierung. Viele andere Faktoren wie zwischenmenschliche
Beziehungen, Machtverhältnisse, unterschiedliche Forschungsgeschwindigkeiten
und ein Zugehörigkeitsgefühl sind ebenso relevant. All diese Faktoren haben Einfluss
auf die Prozesse und Ergebnisse von kollaborativer Wissensgenerierung. Daraus
folgt, dass die Bereitschaft weiterhin zu lernen genauso sowie die Bereitschaft
Unbehagen zu tolerieren notwendig sind, um tiefere Ebenen der Zusammenarbeit zu
erreichen. Ich habe herausgefunden, dass auf diesen tieferen Ebenen Fähigkeiten
liegen, um mit den unausweichlichen Spannungen umzugehen, um miteinander ins
Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben und einander zuzuhören, um
gemeinsam ein neues, tieferes Verständnis zu erreichen.
Eine Wissenschaftlerin, die formative accompanying research betreibt und Teil des
Teams ist, das sie beforscht, bewegt sich auf heiklem Terrain. In dieser Dissertation
entwickle ich eine FAR-Methodik, welche Fragen der Positionalität und Relationalität
ernst nimmt und damit auch eine einfordert diese zu reflektieren und zu
praktizieren. Eine FAR-Praxis beinhaltet eine dynamische Bewegung zwischen
Beobachten und Teilhaben, zwischen Neugier und Fürsorge, und zwischen
Unparteilichkeit und Sich-einbringen, je nach Situation.
Mit dieser Arbeit trage ich zu einer Weiterentwicklung der FAR-Methodik und -Praxis
bei. Dabei gehe ich auch auf die Fähigkeiten ein, die eine FAR-Wissenschaftlerin oder
ein FAR-Wissenschaftler braucht, um sich auf den konzentrischen Kreisen des
Forschens und der Beziehungen und Loyalität, die ein kollaboratives Team
ausmachen, zu bewegen. Doch wie können FAR und andere Formen des Forschens
über das Forschen dazu beitragen, kollaborative interdisziplinäre Forschung
weiterzubringen? Ich habe im Zuge meiner Forschung erkannt, dass es sehr relevant
ist, wie die Bedingungen in Forschungsgruppen zu gestalten sind. Wenn die
Bedingungen es ermöglichen und befördern, dass die Teammitglieder die
kollaborative interdisziplinäre Zusammenarbeit als Entwicklungspotential
wahrnehmen, beeinflusst das wiederum positiv, wie Teammitglieder mit FAR lernen
wollen und können. Darüber hinaus sondiere ich jene Dilemmata, die entstehen,
wenn FAR-Forschende Interventionen vornehmen, und reflektiere die
Herausforderung, auch über längere Zeitspannen hinweg in einer dynamischen
Positionalität zu bleiben.
In Zukunft wird im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung und in vielen anderen
Forschungsbereichen interdisziplinäres kollaboratives Arbeiten zunehmen. Diese
Dissertation beschäftigt sich mit der Frage, wie diese Zusammenarbeit so gestaltet
werden kann, dass die Erfahrungen und Resultate dem entsprechen, was Rabinow
eine „flourishing existence“ nennt.


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Letzte Änderung: 10.11.16